Interview mit Chris von GoBanyo


Mit dem Slogan „Waschen ist Würde“ fährt der Duschbus GoBanyo durch Hamburg, um wohnungslosen Menschen Duschmöglichkeiten zu bieten. Das Projekt startete 2019 und bietet sein Angebot auch in entfernteren Bezirken wie Bergedorf an. Wir unterhielten uns mit Christian Poelmann vom GoBanyo Projekt über die hygienischen Bedingungen wohnungsloser Menschen.

Wie wichtig ist die Hygiene für die (psychische) Gesundheit des Menschen, speziell für Obdachlose?

„Wer immer wie Dreck behandelt wird, fühlt sich irgendwann auch wie Dreck“, sagte Dominik Bloh, einer unserer Mitgründer, der selber über zehn Jahre auf der Straße gelebt hat. Das macht etwas mit dem Selbstwertgefühl und erschwert wiederum auch Schritte aus der Situation heraus. Wer sich nicht duschen kann, geht vielleicht nicht zu einer Behörde oder zu einer Wohnungsbesichtigung mit vielen Menschen. Wer z.B. eine Fußverletzung hat, geht vielleicht aus Scham nicht zum Arzt und lässt das untersuchen.

"Waschen ist Würde - wir verstehen das als Menschenrecht."

Ganz besonders jetzt, wo Hygiene noch entscheidender ist mit Blick auf eine weltweite Pandemie. Nicht umsonst ist eine der goldenen Regeln, sich die Hände zu waschen. Auf der Straße ist das nicht möglich. Und jetzt, wo sogar Restaurants geschlossen haben, wird es noch schwieriger,

Wie viele Duschmöglichkeiten gibt es in Hamburg?

Als wir 2019 gestartet sind, gab es für offiziell ca. 2000 Obdachlose - ohne Dunkelziffer - 17 Duschmöglichkeiten in Tagesaufenthaltsstätten. Heute sind viele dieser Duschen coronabedingt außer Betrieb oder seltener geöffnet.

Wie viele GoBanyo Busse oder Duschen braucht Hamburg bei ca. 2000 Obdachlosen?

Wir bieten an sieben Tagen die Woche Duschen für Menschen auf der Straße an und erreichen damit ungefähr 120 Personen. Im Winter kommt ein Teil der Menschen in städtischen Unterkünften unter und nutzt die dortigen Sanitäranlagen. Im Sommer, wenn wieder mindestens 2000 Personen auf den Straßen leben, ist der Bedarf wieder höher.

"Im besten Fall sollte es keine weiteren Busse mehr brauchen. Doch wir bleiben realistisch, solange sich sozialpolitisch nichts verändert."

Wie ist es mit den GoBanyo Bussen? Viren stauen sich ja in den Nasszellen?

Wir haben im März 2020 für zwei Wochen pausieren müssen. Mit einer Ärztin und anderen Expert*innen haben wir in dieser Zeit ein eigenes Hygienekonzept ausgearbeitet, um die Anforderungen mit Blick auf Aerosole in Coronazeiten bestmöglich umzusetzen. Konkret haben wir ein Lüftungskonzept erarbeitet, um Zirkulation in den Räumen zu gewährleisten. Außerdem werden aktuell nur zwei der drei Badezimmer gleichzeitig genutzt. Gereinigt und desinfiziert haben wir auch schon vor Corona nach jeder Dusche. Unsere GästInnen bekommen - genau so wie unsere Teams - Masken und Latexhandschuhe, um sich vor einer Ansteckung zu schützen. Unsere Reinigungsteams haben zusätzlich Schutzbrillen und Schutzanzüge.

Leider haben wir seit März 2020 keinen Aufenthaltsraum mehr am Duschbus. Als wir 2019 gestartet sind, konnten sich unsere GästInnen in unserem Vorzelt aufhalten. Wir konnten damit einen sicheren Raum für Gespräche, für Ruhe und für Wärme anbieten. Um Menschenansammlungen zu vermeiden, können wir das aktuell leider nicht machen und mussten auf Coffee to Go switchen.

Wie hat sich die Situation mit der Pandemie verändert - gibt es jetzt mehr oder weniger Duschmöglichkeiten?

Seit der Pandemie gibt es weniger geöffnete Sanitäranlagen. Wegen der Aerosole haben viele andere Duschmöglichkeiten in anderen Einrichtungen Schwierigkeiten, ein Hygienekonzept umzusetzen: von räumlichen Herausforderungen über materielle Engpässe, bis hin zu personellen Strukturen.

Wie nehmen Obdachlose das Angebot von GoBanyo an? Vor und Während der Corona Pandemie.

Als ein relativ neues, junges Projekt war uns von Anfang an klar, dass wir etwas Vertrauensarbeit leisten müssen. Die Dusche ist ein sensibles Thema. Aber seit dem Beginn unseres Projektes waren wir nicht einen Tag ohne Duschgäste. Es hat sich stetig entwickelt und dann kam auch schon drei Monate später die Pandemie. Gerade in dem Moment merkten wir eine deutliche Steigerung. Die Nachfrage variiert dabei auch wetterbedingt, wenn es kalt und regnerisch ist, kommen tendenziell weniger Menschen.

"Seit Dezember 2019 haben wir über 4500 Duschen (Stand Mitte Februar) ausgegeben."

Wir haben im Sommer zusätzlich ein Projekt gestartet, für das wir für einige Monate für jeweils ein paar Tage das Bäderland auf St.Pauli geöffnet haben, um ein zusätzliches Duschangebot zu schaffen. Aktuell haben wir seit Weihnachten 2020 ein Projekt mit dem Bezirk Mitte, bei dem wir drei Badezimmer-Container vor dem Millerntor Stadion 5 Tage die Woche betreiben.

Werdet ihr finanziell von der Stadt unterstützt?

Von Anfang an haben wir uns dafür entschieden, ein eigenständiges Projekt zu sein. Wir haben ein Crowdfunding für den Umbau gestartet und der Bus wurde von der Hochbahn gespendet. Unterstützend wirkt unser guter Kontakt zu den Bezirken und der Stadt Hamburg, wenn es beispielsweise um Standortgenehmigungen geht. Andere Projekte, wie das temporäre Duschcontainer-Projekt in Kooperation mit dem FC St. Pauli und dem Bezirk Hamburg-Mitte, wird von dem Bezirk finanziert.